Wasser, Historie, Bootsfahrt und Feste

August 2026

01
Die Algarve bietet Sommerfrischlern nicht nur Meeres-Strände. Es gibt auch Bade-Orte, die authentisch und traditionell eine andere Seite dieser Region offenbaren. So führt unser Ausflugstipp in diesem Monat ins Hinterland von Loulé, zum Wasserfall von Alte, der auch als ‘Queda do Vigário’, also der “Fall des Vikars” bekannt ist. Man nimmt an, dass der Name auf ehemalige kirchliche Besitztümer in der Region zurückgeht. Doch wichtiger ist der landschaftliche Reichtum hier an diesem Wasserfall, der aus einer Höhe von 24 Metern senkrecht in die Tiefe rauscht und in einen großen, wunderschönen See inmitten grüner Hänge mündet. Der kristallklare See umspült einen feinsandigen Strand, der zum Baden inmitten wundervoller Natur einlädt. Unklar ist, ob der Wasserfall natürlich ist oder künstlich entstand, als im 17. Jahrhundert ein Adeliger das Flüsschens Alte umleitete, um seine Obstplantagen zu bewässern. An deren Stelle machen heute verschiedene Bäume und Sträucher mit betörend duftenden Blüten diesen Ort zu einem echten Sommer-Erlebnis.
02
Ein für die historische Erinnerung in Portugal wichtiges Datum ist der 14. August 1385: An jenem Tag besiegten die Portugiesen nahe dem zentralportugiesischen Ort Aljubarrota das viel größere, besser ausgerüstete Heer des kastilischen Monarchen. Dabei kam Unterstützung aus der Algarve, die legendär und unvergessen ist: Die Bäckerin Brites de Almeida, früh verwaister Spross einer armen Familie aus Faro, zog durch das Land auf der Suche nach Auskommen. In den Wirren der Geschichte geriet sie in spanische Gefangenschaft, wurde als Sklavin verkauft, konnte fliehen und kam schließlich nach Aljubarrota, wo sie, mutig und gestählt durch ihr hartes Leben, gemeinsam mit ihren Landsleuten die kastilischen Invasoren in die Flucht schlug. Sieben spanische Spione hatten sich in ihrer Backstube versteckt. Brites fand sie und soll sie mit einem Brotschieber erschlagen haben, der zum Wahrzeichen der Stadt Aljubarrota wurde und diese portugiesische Variante von „Sieben auf einen Streich“ lebendig hält.
03
„Heller werdendes Grau kündigt die Morgendämmerung an und verschluckt das Funkeln der Sterne. Das Wasser plätschert am Bootssteg unter dem Rest-Dunkel des Himmelszelts. Die Stille versinkt weich im rhythmischen Atmen des endlosen Meeres. Die Schiffer kommen schweigend zusammen, richten das Boot her, dumpf hallen die trockenen Schritte der nackten Füße auf den Planken. Ich gehe an Bord. Die Ruder schlagen das Wasser in monotoner Kadenz. Wir steuern gegen die Flut, umfahren die Deichmauer. Ich werfe mich ins Wasser, tauche mit offenen Augen. Es ist die Vision einer Metamorphose, von Delfin-Sprüngen im blassgrünen Wasser, mein Körper saugt die Frische auf. ‘Wenn es hier in der Nähe einen Strand mit Schatten gäbe’, sagte einer, der die Antwort selbst kannte. Doch er träumte weiter: Man könnte diese Bucht ansteuern und dort im Schatten auf den Sonnenuntergang warten”… Vor genau 120 Jahren schrieb Manuel Teixeira Gomes, geboren in Portimão, Schriftsteller, Diplomat, Politiker und Erbe eines Trockenfrüchte-Handels, die Erzählung ‘Agosto Azul’ über eine Bootsfahrt zwischen Portimão und Lagos. Küsten-Fahrten sind auch heute eine Attraktion der Region und das Gefühl, das der Text über den Blauen August vor über hundert Jahren vermittelte, stellt sich auch heute noch ein.
04
Im August ist Hoch-Zeit für Märkte und Festivals in der Algarve. Was heute mit Musik, Gastronomie und kleinen Überraschungen Touristen wie Einheimische begeistert, hat in Portugal eine sehr alte Tradition, die zurückgeht auf den Vater Heinrichs des Seefahrers: König D. João I. (1357-1433) sah sein Reich infolge des Kräfte zehrenden Erbfolgekriegs mit der kastilischen Krone wirtschaftlich und finanziell am Abgrund. Das demoralisierte Volk darbte und murrte. Zerstreuung musste her. Der Monarch hatte die Idee, Gaukler einzuladen und Händler aus aller Herren Länder, die Waren und Attraktionen auf Märkten feilboten; dazu gab es vor allem viel Musik und traditionelle Speisen. Seit ihrer Geburtsstunde wurden die organisierten Feste einerseits perfektioniert, andererseits halten sie Traditionen aufrecht. Eine der größten im Land ist die Handwerks-, Kunst-, Industrie- und Gastronomie-Messe Fatacil, die Lagoa jedes Jahr Ende August für zehn Tage zum Mittelpunkt der Region werden lässt.