Tradition, Natur, Meer und Landschaft

Januar 2026

01
Der Januar hält einige feierliche Überraschungen bereit, die kurz nach Weihnachten die Traditionen der Zeit um die Jahreswende verlängern. Nicht nur zum Dreikönigstag, sondern praktisch in der gesamten ersten Monatshälfte ziehen schon seit dem Mittelalter die ‘Janeiras' durch die Ortschaften im Hinterland. Diese portugiesischen Sternsinger sind fast ausschließlich Erwachsene, die jahreszeitliche Lieder mit Begleitung traditioneller Instrumente wie Tamburin, Gitarre, Flöte, Triangel oder kleine Trommeln singen. Anderswo wird dazu der ‘madeiro' verbrannt, ein meist ziemlich gewaltiger Holzklotz. Die Menschen versammeln sich um das Feuer, rösten in ihm Kastanien und Schweinefleisch und singen. Ferner gehört der schon seit Dezember allgegenwärtige ‘Bolo Rei' dazu, ein reichlich mit kandierten Früchten dekorierter Hefekuchen.
02
Die Vegetation der Algarve im Winter ist naturgemäß weniger farbenfroh als zu anderen Jahreszeiten; gerade deswegen springen einige Pflanzen jetzt besonders ins Auge. Dazu gehört die Baumerdbeere (medronheira), dessen leuchtend rot-orangefarbene, stachelige Beeren jetzt reifen, bevor sie im Februar geerntet und Grundlage für den regional beliebten klaren Branntwein werden. Funde deuten darauf hin, dass die Mauren schon vor tausend Jahren Medronho-Schnaps brannten. Und er wurde schon im Jahre 1504 König D. Manuel kredenzt, als der Monarch nach Aljezur gekommen war, um dem Ort einen Ehrentitel zu verleihen. So hat die Medronho-Kultivierung und -Nutzung eine lange Tradition in der Serra de Monchique, der Serra do Caldeirão, in Silves, Loulé und Tavira. Medronho spielt nicht nur kulinarisch eine Rolle, sondern auch in der Ökologie der Region: Die Blüten sind wichtige Nektar-Geber für Medronho-Honig und die Pflanze wirkt als natürliche Barriere gegen Waldbrände. Jahreszeitlich bedingt, bekommen Besucher in der Algarve den Tipp, gegen Erkältungen gebe es nichts Besseres als Medronho und Honig.
03
Von Sagres bis zur Insel Madeira soll sich ab diesem Jahr ein neu bestimmtes Meeres-Schutzgebiet erstrecken und dazu beitragen, dass auf 200.000 m2 ein knappes Drittel der portugiesischen Meeresfläche geschützt wird. Die Maßnahme sei hilfreich für die Artenvielfalt, ebenso wie für die Wirtschaft im Sinne nachhaltiger Fischerei, deren Fang dann aus natürlichen Brutstätten komme. Auch die Freizeit-Industrie könne profitieren, wenn Freizeitboote und Taucher ihren Sport im Rahmen der so genannten blaue Wirtschaft ausüben können, in deren Rahmen Wirtschaftswachstum und Lebensgrundlagen gefördert werden, während gleichzeitig die marinen Ökosysteme bewahrt werden. Die maritime Wirtschaft macht derzeit 5% des portugiesischen BIP aus (EU-Schnitt: 1,7%) und unterhält etwa direkte 300.000 Arbeitsplätze. Mit dem “Parque Natural Marinho do Recife do Algarve – Pedra do Valado” in Raum Albufeira, Lagoa und Silves besitzt die Algarve bereits seit 2024 ein Küstenschutzgebiet auf 156 km2.
04
Unser Ausflugstipp führt Sie einmal mehr ins Hinterland der Algarve, das man gerade im Winter entspannt entdecken und erwandern kann. Im Raum Santa Bárbara de Nexe in der Zentral-Algarve wechseln sich pure Natur und gelegentliche Ansiedlungen oder Dörfchen ab. Die Landschaft lockt mit Feldern voller Fenchel, Thymian und Rosmarin. Die Wege hier waren schon vor Jahrhunderten eine wichtige, weil einzige Verbindung zwischen den Bewohnern dieser Gebiete. Die Routen bergen alte Geschichten, denn egal ob Häuser, Wege oder die hier zahlreichen Ruinen alter Mühlen, die Steine waren schon immer Teil einer alten Infrastruktur für Mensch und Tier. Und die Gegend liegt wie ein natürliches mediterranes Amphitheater an den Hängen der Serra mit atemberaubendem Blick auf das Meer in der Ferne. In den Ortschaften erlebt man angenehme Begegnungen; gelegentlich sitzt jemand vor seinem Haus und spielt Akkordeon, ein in der Algarve sehr beliebtes und verbreitetes Instrument. Handwerks- und Steinmetz-Kunst, Töpferei sowie Mandel- und Feigenkonfekt sind hier zu Hause.