Cataplana, Natur, Eis und Kultur

September 2025

01
Unser Ausflug führt in diesem Monat zu Europas größter Brücke – zumindest zur größten Holzbrücke. Sie durchquert geschützte Gebiete des Naturparks Ria Formosa als Teil einer fast 5 km langen Strecke. Die Konstruktion gehört zum Wanderwege-Netz “Passadiços Loulé Litoral”; die Gegend zeichnet sich durch Artenvielfalt, Stille und weite Ausblicke auf das Meer aus. Der Weg verbindet den Strand Praia do Garrão Nascente mit der Praia da Quinta do Lago. Der Spaziergang ist ohne große Höhenunterschiede leicht zu bewältigen und dauert gut zwei Stunden. Ausgangspunkt ist Quinta do Lago, wo es Parkplätze gibt. Von dort aus geht es zu Fuß weiter zur Holzbrücke, die durch ein ausgedehntes Feuchtgebiet führt, das unter Naturschutz steht und ein Ökosystem aufweist, das durch Dünen, Sumpfgebiete, Barriere-Inseln und Kiefernwälder gekennzeichnet ist und Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten ist, von denen viele unter Schutz stehen. Die Ria Formosa ist einer der wichtigsten Orte zur Vogelbeobachtung in Portugal, insbesondere Flamingos, Löffler und Reiher sind regelmäßig anzutreffen, ebenso das Chamäleon. Unter der Wasserobefläche kann, wer Glück hat, Seepferdchen entdecken.
02
Die Welttourismus-Organisation UNWTO hat den 27. September als Welttag des Tourismus auf den Kalender gesetzt. Das herbstlich anmutende Datum ist für Portugal nicht unpassend, denn der historische Beginn der Sommerfrische lag hier in den Monaten September und Oktober – und zwar vor 155 Jahren. Damals reiste der König mitsamt Familie, Hofstaat und einigen Adeligen nach Cascais ans Meer zum Baden – ein ganz neues Ereignis, wie damals die Landespresse berichtete. Die noblen Gäste mieteten sich in Fischerhäusern ein, deren Eigentümer sich geehrt fühlten, die Monarchie zu Gast zu haben. Andere Anwohner empfanden dies eher als lästig: Die große Zahl royaler Kutschen sorgte für verstopfte Wege und Cascais war zugeparkt. Die blaublütigen Urlauber verbachten Ferien im größtmöglichen Gegensatz zum Luxus ihrer Paläste. Was zählte, war der Strandspaziergang und das Bad im salzigen Meer, dem therapeutische Wirkung nachgesagt wurde. Die Algarve hatte damals für Reisende kaum Bedeutung, denn die Anreise war mühsam; die einzige Straße führte von Norden über die Berge. Nur drei Algarve-Orte wurden nach und nach zu Reisezielen: Monchique wegen seiner Thermalquellen und der üppigen Vegetation, Lagos lockte mit der Mystik der Entdeckung der Welt, und Praia da Rocha: Der malerische Felsenstrand und das gemäßigte Klima brachten den Ort in direkten Vergleich zum französischen Biarritz.
03
Herbstzeit ist Erntezeit. Früchte, denen im Vergleich zum Wein weniger Aufmerksamkeit zuteil wird, sind Feigen. Dabei gehören sie zur Weltgeschichte ebenso wie zu Portugals Landeshistorie. Die Frucht eint sogar die Religionen: Sowohl das Christentum als auch Muslime und Juden behandeln Feigen als symbolträchtiges Heiligtum. Der islamische Geograph und Biologe Muhammad al-Idrisi beschrieb bereits im 12.Jahrhundert die fruchtbaren Böden des Landstrichs rund um die heutigen Städte Faro und Silves, berühmt für ihre Gärten voller Feigenbäume. Im mittelalterlichen Portugal war die Feigen-Produktion zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln unverzichtbar, auch wenn Wein, Olivenöl und Weizen im Umfang in der Landwirtschaft überwogen. Feigenbäume können bis Mitte November Früchte tragen, die Haupterntezeit beginnt jetzt und die frischen, saftigen Früchte sind der Trockenfrucht-Variante geschmacklich deutlich überlegen.
04