Loulé, Blütenmeer, Entdeckungen und Gesundheit

Februar 2025

01
Wie wäre es mit einem Abstecher nach Loulé? Die Stadt in der Zentral-Algarve ist in erster Linie für ihren Markt bekannt, der nicht nur ein Event rund um Rohstoffe für kulinarische Finessen ist, sondern auch durch den neo-gotischen Baustil der Halle auffällt. Ein archäologisches Museum, die Burg, erkundungswürdige Straßen und zwei bedeutende Festivals für Jazz und Weltmusik (vormerken für Juni und Juli!) gehören ebenso zu den Highlights von Loulé. In dieser Stadt wurde zudem der Algarve-Poet António Aleixo geboren, dessen Geburtstag sich in diesem Monat zum 126. Male jährt. In der Region sind viele Straßen nach dem Mann benannt, dessen Verse das Leben in der Algarve mit liebevollem Spott beschreiben: “Se te censuram, estás bem, P’ra que a sorte te perdure; Mal de ti quando ninguém Te inveje nem te censure!” (Wenn sie dich tadeln, dann geht’s dir gut, Auf dass das Glück dir lange treu bleibe, Schlimm wird’s für dich dann, wenn niemand dich beneidet oder tadelt). Ein Denkmal, das die Stadt Loulé dem Dichter in historischen Zentrum gewidmet hat, zeigt ihn am Tisch vor dem legendären Café Calcinha, das 1929 eröffnete und zu António Aleixos Stammlokal wurde.
02
In der Pflanzensymbolik gilt der Mandelbaum als Sinnbild des Leichtsinns, denn er treibt seine Blüten in der für Pflanzen nicht immer wohltuenden Kälte aus. Früher als andere Bäume verwandeln Mandelbäume mit ihren fragilen, leuchtend zartrosa-weißen Blütenblättern an knorrigen Ästen die Algarve auch im Winter zum Garten – und jetzt ist ihre Blütezeit. Die Mauren brachten sie in Portugals Süden. Der Baum und seine Frucht waren über viele Generationen hinweg ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. Besonders Tavira stand im Mittelpunkt der Mandelzucht. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts dezimierten diverse Epidemien die Bevölkerung, bis es schließlich kaum noch arbeitsfähige Menschen gab. Bis sich die lokale Landwirtschaft, Fischfang und Salzgewinnung erholte, verging sehr viel Zeit, doch es gelang, sodass der Ertrag von Mandeln als Exportgut bald auch wieder entfernte Länder erreichte; Italien und Flandern garantierten Tavira eine gewisse Teilnahme am Welthandel. Heute sind Mandelbäume vor allem Landschafts-Schmuck.
03
Lagos schlummert um diese Jahreszeit vor sich hin und ist gerade deswegen entdeckenswert. Zahlreiche Cafés laden zum Ausruhen ein nach einem Spaziergang durch die jetzt ruhigen, im Sommer allzu geschäftigen Straßen und Gassen. Seit viertausend Jahren ist Lagos besiedelt und vor allem mit den Entdeckungsfahrten der Portugiesen seit dem 15. Jahrhundert verbunden. Der Ort wurde zur Handelsmetropole; dazu gehörte auch der erste Sklavenmarkt auf europäischem Boden; in dem Gebäude ist heute ein sehenswertes interaktives Museum untergebracht. Prinz Heinrich der Seefahrer residierte in Lagos und ließ hier seine Karavellen bauen. Entdecker wie Gil Eanes, der 1434 als erster das Kap Bojador umsegelte, begab sich von hier auf die Suche nach neuen Ländern. Am Treppenaufgang der quirligen städtischen Markthalle steht als poetischer Wegweiser für heutige Besucher ein Zitat der Dichterin Sophia de Mello Breyner: „...Geh zwischen den Häusern und dem Meer bis zum Markt (…). Dort bleibe stehen und blicke für einen Moment auf den Platz.“ Bei einem solchen Bummel, so die Poetin, werde sich „deine Liebe für die sichtbaren Dinge entfalten.“.
04
Medronho ist der für die Algarve typische klare Weinbrand. Seine Grundlage, die Medronho-Beeren werden jetzt in der Serra de Monchique, der Serra do Caldeirão, in Silves, Loulé und im Raum Tavira geerntet. Seit über tausend Jahren gedeiht der Strauch in der Region und heute werden neben dem Schnaps, der auf traditionelle Weise gebrannt wird, auch Likör und Süßspeisen hergestellt. Die Medronho-Destillateure waren Jahrzehnte lang nur regional anerkannt und produzierten vor allem für den Hausgebrauch. Heute ist Medronho ein kulinarischer Mittelpunkt und wirtschaftlich bedeutsam. Es gibt Förder-Maßnahmen für die Anpflanzung, denn der Strauch erweist sich auch als natürliche Barriere gegen die Ausbreitung von Waldbränden. In Marmelete bei Monchique gibt es ein sehenswertes Museum und geführte Wanderungen rund um den Medronho.