Hauptstadt, Spuren, Vögel und Natur

Oktober 2024

01
In unserem Ausflugstipp möchten wir Ihnen in diesem Monat die Algarve-Hauptstadt Faro ans Herz legen, die vom Kontrast ihrer uralten, wechselvollen Historie und dem Flair einer modernen, quirligen Regional-Metropole lebt. Der Stadtgarten ‘Jardim Manuel Bivar’ bietet sich als Ausgangspunkt an, egal ob man vom angrenzenden Yachthafen einen Blick auf die Ria Formosa richten oder gar eine Bootstour machen oder in südlicher Richtung durch den Torbogen ‘Arco da Vila’, dessen monumentale Fassade an eine Kirche erinnert, in die historische Altstadt gehen möchte. Hier, in den gewundenen Gässchen, deren Fundamente die Mauren legten, fährt praktisch kein Auto, es herrscht wohltuende Stille, nur die Vögel singen. Auf dem Hauptplatz vor der Kathedrale, wo die erste Bebauung auf das Jahr 1250 zurückgeht, steht ein Denkmal für den Bischof, der die Restaurierung vieler emblematischer Bauwerke in der Algarve vorantrieb, die dem schweren Erdbeben vom 1. November 1755 zum Opfer gefallen waren. Im Inneren der Kathedrale verbinden sich Gotik, Barock und Renaissance. Aufwendige, vergoldete Schnitzereien, Gemälde und Statuen sowie blau-weiß bemalte Fliesen (Azulejos) verdienen Beachtung. Die Orgel wurde vom berühmtesten Orgelbauer des 17. Jahrhunderts errichtet: Arp Schnitger aus der norddeutschen Stadt Brake, der lange in Portugal arbeitete. Der Klang des Instruments gehört zu den Höhepunkten des mehrwöchigen Orgelfestivals (‘Festival de Órgão de Faro’), das alljährlich im Herbst stattfindet.
02
Große Fußstapfen haben prähistorische- Algarve-Bewohner an den Felsen am Strand ‘Praia dos Arrifes’ bei Albufeira hinterlassen: Dort findet man Fußabdrücke von Dinosauriern, und zwar von verschiedenen Arten, die vor etwa 120 Millionen Jahren auch am westlichen Rand des Kontinents lebten. Zwölf Spuren von fünf Tieren haben Paläontologen freigelegt, es handelt sich um kleine fleischfressende Tiere, aber auch um Pflanzenfresser. Die Forscher gehen davon aus, dass es in diesem Gebiet, aus dem ein UNESCO-Geopark werden soll, noch weitere Relikte aus der Erdgeschichte gibt. Dazu zählt Basaltstein, der bei Vale Fuzeiros nahe São Bartolomeu de Messines sichtbar ist und vor 200 Millionen Jahren durch Vulkan-Ausbrüche entstand.
03
Dass am Meer Möwen anzutreffen sind, die mittlerweile auch so manchen Platz in den Städten erobert haben, ist nicht verwunderlich, doch die meisten Reisenden staunen über die Vielzahl von Störchen, die vor allen Dingen in Herbst und Winter hier nisten, aber inzwischen auch ganzjährig in der Algarve zu sehen sind. Hoch in den Himmel ragenden Schornsteine, die in vergangenen Dekaden zu den Fisch- und Konserven-Fabriken der Region gehörten, stehen unter Denkmalschutz und dienen den Storchennestern als Basis. Auch Strommasten entlang der Landstraßen, aber auch in Wohngegenden, haben ebenso wie Stümpfe alter Bäume nicht selten ein Nest obenauf. Das Klappern der Vögel ist deshalb praktisch überall zu hören. Störche sind sensibel gegenüber wechselhaften Wetterbedingungen und fühlen sich wegen des milden, gleichbleibenden Klimas außerhalb des Sommers hier sehr wohl und nutzen häufig Jahr für Jahr dasselbe Nest.
04
Wussten Sie schon, dass sich Ihr Ferienort Ferragudo in manchen Jahren zwei bis drei Mal in ein kleines Venedig verwandelt? Diese sogenannte Springtide kann im Frühjahr und im Herbst stattfinden, abhängig von starken Gezeitenkräften, die das Wasser des Rio Arade dann in die ufernahen Gebiete drückt und natürliche und künstliche Hindernisse überwindet. Das Schauspiel dauern nur wenige Stunden und ist auch in Portimão, Lagos, Albufeira. Tavira und Fuseta anzutreffen, wo immer die Straßen nahe an einem Gewässer liegen, doch die Bevölkerung von Ferragudo scheint sich am besten mit der unvermeidlichen Naturkraft der Wassers zu arrangieren. Das Leben geht weiter; auch Touristen erkunden das unerwartete Phänomen und verzichten nicht auf ihren Kaffee, auch wenn sie fast bis zu den Knien im Wasser waten oder sitzen. “Haben Sie Geduld“, sagt ein alter Herr in Ferragudo, denn „was dem Meer gehört, wird sich das Meer holen.“