Streiche, Revolution, Buchdruck und Wein

April 2024

01
Der 1. April heißt in Portugal ‘dia das mentiras' (Tag der Lügen). Die Sitte, sein Gegenüber auf den Holzweg zu führen, wird auch hier praktiziert, wobei man seinem Gegenüber gerne einen Spiegel vorhält, denn durch die Erkenntnis, einem Streich aufgesessen zu sein, erkennt man eigene Unzulänglichkeiten. Wie in der Geschichte, die an einem 1. April in Monchique passiert sein soll. Ein Anwohner wanderte früh am Morgen auf den Gipfel des Fóia. Dort traf er einen Urlauber aus Lissabon, der die Landschaft durch sein Fernglas betrachtete, das Panorama genoss und dabei vor allem die Qualität seines Feldstechers lobte. Mit betont städtischer Überlegenheit beschrieb er die Schönheiten, die er sah: Korkeichen, Zistrosen, Oliven. Das Meer bei Albufeira könne er sehen, die maurische Burg in Silves, ebenso die Westküste und sogar Lissabon, schwärmte der Reisende und fügte hinzu: “Ich sehe mein Haus! Meine Frau sitzt am Fenster und strickt.” Der Mann aus Monchique hatte von dem großmäuligen Städter längst genug, zudem war ihm das Tagesdatum eingefallen: Er bat den Fremden um das Fernglas, sah hindurch und entgegnete: “Ja, ich sehe Ihre Frau stricken! Ach... jetzt ist eine Masche gefallen...”.
02
In diesem Monat begeht Portugal das 50. Jubiläum der Nelkenrevolution. Der friedliche Umsturz befreite das Land von der Diktatur und markiert gleichzeitig das Ende der letzten westlichen Kolonialmacht: Am 25. April 1974 endete die Ära, in der das Land vom übrigen Europa abgeschottet gelebt und über dreizehn Jahre Krieg in seinen afrikanischen Kolonien geführt hatte. Praktisch jede Familie wusste eines ihrer Mitglieder im Krieg, während daheim geheimpolizeiliche Kontrolle und Zensur in allen Lebensbereichen herrschte. Politische Parteien und Streiks waren verboten, in den Gefängnissen saßen politische Gefangene, die führenden Köpfe der Opposition waren ins Exil vertrieben. Und dann brachten eben jene Offiziere das verkrustete System zu Fall, die es bis dahin militärisch gestützt hatten. Zum Symbol der Revolution wurde die Nelke. Sie war allgegenwärtig, an Blumenständen, als Dekoration in Restaurants, die an diesem Tag geschlossen blieben, und bei Hochzeiten, die nicht stattfanden. Im Überschwang der Freude verteilten die Menschen die Nelken an die Soldaten, die sie in die Gewehrläufe steckten.
03
Der 23. April gilt als Welttag des Buches. Wussten Sie, dass Portugals erster Buchdruck in der Algarve stattfand? Der jüdische Drucker Samuel Gacon druckte im Jahr 1487 in seiner Werkstatt im Zentrum von Faro die ‘fünf Bücher Mose’ mit beweglichen Lettern nach dem Verfahren, das Johannes Gutenberg um 1450 entwickelt hatte. Gacon druckte auf Hebräisch, daher ist das Werk als ‘Pentateuch’ bekannt. Obgleich diese Technik den Buchdruck revolutionierte und vereinfachte, was das Bedrucken von Papier noch immer eine langwierige Angelegenheit. So dauerte es über drei Monate, bis Gacons Werk fertiggestellt war. Der ‘Pentateuch’ umfasste 110 Blatt, von denen jedes mit 30 bis 32 Zeilen bedruckt war. Das Buch befindet sich heute in der Bodleyan Library in Oxford. Es ist nachgewiesen, dass Buchdrucker Gacon in seiner Werkstatt mindesten zwei weitere Bücher fertigte, bei denen er zwei unterschiedliche Typengrößen benutzte.
04
Als Ausflug legen wir Ihnen in diesem Monat nicht nur einen Ort ans Herz, sondern gleich mehrere, und zwar entlang der regionalen Weinroute der Algarve, die soeben eine Auszeichnung für den Önotourismus erhalten hat. Die Route, die Wein und Erlebnisse rund um den Rebensaft in der Algarve vereint, bietet touristische Aktivitäten, bei denen die landschaftlichen, kulturellen und gastronomischen Merkmale des Anbaugebietes im Süden des Landes im Vordergrund stehen. Knapp zwei Dutzend Weingüter haben sich dieser Route mit einem reichhaltigen, abwechslungsreichen Programm angeschlossen. Die Web-Seite https://algarvewinetourism.pt/ (port. u. engl.) verzeichnet alle Angebote von der Jeep-Safari über den Besuch im Weinmuseum oder der Weinernte bis hin zur Gastronomie, vielen Ausflügen und anderem mehr zum Planen für den nächsten Urlaub.