Ostern, Ausflug, Geburtstag und Zeit

März 2024

01
Der Osterhase gehört in Portugal traditionell nicht zum Osterfest. Seine Präsenz in der Werbung und in süßer Form in allen entsprechenden Geschäften ist dem Einfluss der Touristen und Residenten zu verdanken, die den Brauch aus ihren Ländern hierher gebracht haben. Hier steckt im Wort ‘Páscoa’ die verbale Verbindung zum jüdischen Passahfest und dazu gehören “Farbe und der Duft von Lavendel, Rosmarin und Feldblumen”, so eine Darstellung aus der Algarve, wo es blumengeschmückte Prozessionen gibt; die beeindruckendste findet in São Brás de Alportel statt. In anderen Gegenden Portugals gelten österliche Umzüge Begebenheiten aus der Geschichte. Rund um die historische Stadt Batalha danken die Menschen für das Ende einer mittelalterlichen Insektenplage und in Dörfern in der Serra de Estrela defilieren nachts in weiße Tücher gehüllte Gestalten schaurig-schön und erinnern an die Bußgänge in den Zeiten von Pest und Lepra.
02
Gibt es noch Geheimtipps für Ausflüge? Hier ist einer: Santa Luzia in der Ost-Algarve, versteckt zwischen Tavira und Pedras d’el Rei. Der kleine, fast 450 Jahre alte Fischerort ist für einen ruhigen Bummel empfehlenswert, und er gilt als Hauptstadt der Kraken, obwohl hier einst das Zentrum des portugiesischen Thunfischfangs war. Davon zeugt der sogenannte Ankerfriedhof am nahen Strand ‘Praia do Barril’, wo die ausgemusterten Anker der Flotte nicht nur ein bekanntes Postkartenmotiv der Region darstellen, sondern auch die Dünen vor Erosion schützen. Von Santa Luzia aus kann man auf einer Bootstour auch das Naturschutzgebiet der Laugune ‘Ria Formosa’ erkunden. Wer den Ort besucht, sollte sich auf keinen Fall die lokalen Spezialitäten aus dem Meer entgehen lassen und im Restaurant ein Gericht mit ‘Polvo’ (Krake) probieren.
03
„Was Du tust, das tue gut!“, lautete das Motto von Heinrich, dem Seefahrer, dessen Geburtstag sich in diesem Monat zum 630. Male jährt. In Portugal meist als ‘Infante de Sagres’ bezeichnet, übt der Königssohn in der Algarve nicht zuletzt durch die sagenumwobene Seefahrerschule in Sagres Faszination aus, wo er 1460 starb. Heinrich soll selbst nie zur See gefahren sein, begriff aber als erster die geografische Lage Portugals als Auftrag, das Meer zu erkunden und für eine modernere Schifffahrt zu forschen, der das Land seinen Aufstieg zur führenden europäischen Seemacht verdankte. Als weltlicher Administrator des Ordens der portugiesischen Christusritter hatte er finanzielle Unterstützung, als er sich in die Werke namhafter Geografen, Kartografen, Astronomen und Kosmologen vertiefte und Höflinge zu Erkundungs-Fahrten entlang der afrikanischen Westküste entsandte. Nachdem zwei Gefolgsleute auf Madeira gelandet waren, organisierte Heinrich die Besiedelung der damals unbewohnten Insel. Sein Wunsch, einen möglichen Seeweg nach Indien zu finden, konnte erst Vasco da Gama erfüllen –37 Jahre nach Heinrichs Tod.
04
Ende des Monats beginnt die Sommerzeit. Während im digitalen Zeitalter die meisten Uhren automatisch eine Stunde vorgestellt werden, war der Umgang mit der Zeit in vergangenen Jahrhunderten sehr umstritten. In Portugal wurden die Uhren erstmals am ersten Tag des Jahres 1912 umgestellt, zur Anpassung an die meisten europäischen Staaten, die sich am Meridian von Greenwich orientierten. Doch die Kirche, die sich schon im Mittelalter dem Bestreben der Menschen widersetzte, zu messen, wie die Zeit vergeht, hielt an der göttlichen Ordnung des Tageslaufs fest. In der Algarve weigerten sich die Padres, die Glocken nach weltlichen Vorgaben zu läuten und bestimmten weiterhin den Arbeits- und Gebetsrhythmus vom Kirchturm aus, bis eines Tages Tatsachen geschaffen wurden: In Santa Bárbara de Nexe entwendeten Unbekannte die Schlüssel zum Glockenturm und in Ferragudo verschwanden eines Nachts die Klöppel aus den Glocken. Die erste mechanische Uhr an einem Kirchturm im Süden Portugals wurde übrigens 1440 in der Alentejo-Stadt Serpa montiert. Kurz darauf erhielt Portimão einen modernen Zeitmesser.