Der Juni steht in Portugal im Zeichen der Schutzpatrone von Stadt und Land: Santo António (13.6.), São João (24.6) und São Pedro (29.6.). Die traditionellen Defilées, die in diesen Tagen stattfinden, ähneln einem Blumenkarneval, dazu gehören Wein und Sardinen – und im Mittelpunkt steht ein Küchenkraut: Basilikum (auf Portugiesisch ‘manjerico’). Manche behaupten ganz unromantisch (aber zutreffend), der Geruch der Blätter seien bei der Abwehr von Insekten wirksam, was bei sommerlichen Straßenfesten nützlich sein kann. Der Ursprung der Tradition, im Juni alles mit kleinen Basilikum-Töpfchen zu schmücken, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Doch haben Portugals Dichter die Pflanze schon immer besungen, denn Basilikum gilt hier als “Kraut der Liebe”: Die einjährige Pflanze, die anlässlich der Volksfeste mit poetischer Widmung verschenkt wird, ist somit ein Symbol für die Vergänglichkeit von Leidenschaften. Das sah auch Fernando Pessoa so: “Manjerico que te deram / Amor que te querem dar... / Recebeste o manjerico. / O amor fica a esperar”, dichtete er (“Basilikum hat man dir gegeben und die Liebe angekündigt. Basilikum hast du bekommen. Die Liebe wartet”).