Blütenpracht, Küstenwanderung, Kunst und Geschichte

April 2023

01
Ostern steht auf dem Kalender und damit verbunden viele landestypische Feiern. Besonders bekannt ist die ?Festa das Tochas Floridas', die in São Brás de Alportel stattfindet. Die meisten Besucher halten sie für eine religiöse Zeremonie, doch das ist nicht korrekt. Ursprünglich galt der blumengechmückte Umzug dem Sieg über Piraten an der Südküste Portugals: Im Jahr 1596 hatten die englischen Seefahrer Francis Drake und Walter Raleigh das spanische Cadiz geplündert und zogen nach Faro weiter. Die Bürger der Stadt hatten sich außerhalb versteckt und ihre Habseligkeiten vor den Invasoren in Sicherheit gebracht. Auf der Suche nach Wertvollem zogen die Seefahrer die Küste entlang und raubten in den Dörfern alles, was ihnen in die Hände fiel. Als die Eindringlinge in der Gegend von São Brás auftauchten, schlugen wütende Bauern empfangen sie mit Stöcken und Ästen in die Flucht. Als sich wenig später die gesamte Flotte von der Küste entfernte, schmückten die Portugiesen ihre hölzernen Waffen mit Blumen und trugen sie als Zeichen ihres Sieges durch die Stadt zur Messe in die Kirche. Daraus wurde im Lauf der Zeit die Prozession mit den „Blumenfackeln“, die bis heute am Ostersonntag durch die Straßen von São Brás zieht.
02
Unser Ausflugstipp führt in diesem Monat weit nach Westen, an die ‘Costa Vicentina’, die jetzt im Frühling besonders reizvoll ist, denn nicht nur die rauen Klippen und der endlose Blick über den Atlantik sind eine Augenweide, auch die nun üppig blühenden Pflanzen, von denen es viele nur hier gibt und die nur so lange ihre Farbenpracht zeigt, bis die bevorstehende Sommerhitze Besitz von dieser Landschaft ergreift. Zudem zwitschern Vögel am Himmel und in den Sträuchern am Wegesrand, die hier nisten und zum Naturerbe der Landschaft gehören. Die zahlreichen Wege sind gut erschlossen und dennoch naturbelassen, sodass ein Spaziergang weder die Natur belastet, noch das Steigen über Stock und Stein den Wanderer ermüdet. Die kleinen Ortschaften an der Küste sind zumeist verträumte Fleckchen geblieben und die typisch portugiesischen Lokale versprechen ursprüngliche Mahlzeiten mit viel Genuss.
03
Wer aus östlicher Richtung über die Nationalstraße 125 nach Ferragudo kommt, wird seit Kurzem von einem Kreisverkehr überrascht, dessen Dekoration ein echter Hingucker ist und neben dem künstlerischen Wert auch der kulturellen Vielfalt der Region Rechnung trägt: „Facettenreiche Globen“ heißt die aus 15 Kugeln bestehende Skulptur, deren Motive von den fünf Kontinenten inspiriert sind und die Themen Einheit und Vielfalt bei Mensch, Umwelt und Alltag darstellen, in der Interpretation von elf internationalen Künstlern, die alle in der Algarve leben.
04
Am 6. April jährt sich zum 495. Mal der Geburtstag Albrecht Dürers – und der Maler ließ sich bei einem seiner bekanntesten Werke von einer portugiesischen Begebenheit inspirieren. Sein Holzschnitt „Rhinocerus“ stellt ein Panzernashorn dar, das ein indischer Sultan im Jahr 1515 dem portugiesischen Seefahrer und Eroberer Afonso de Albuquerque zum Geschenk machte. Der Seefahrer überreichte die gewichtige Gabe seinem König Manuel I., der seinerseits das Rhinozeros dem Papst in Rom schenken wollte. Doch zuerst sollte das Tier durch Lissabon geführt werden, damit das Volk es bestaunen und Gäste aus Adel und Klerus das Nashorn als lebenden Beweis für die Erfolge der portugiesischen Krone in Indien sehen konnten. Da seinerzeit kaum eine Straße in der Hauptstadt befestigt, sondern meist mit Staub und Schlamm bedeckt waren, ließ der Monarch, die Wege mit Granitbrocken pflastern, die dem Anlass angemessen nach künstlerischen Vorgaben als Ornamente verlegt wurden. Das Nützliche war mit dem Dekorativen verbunden. Albrecht Dürer im 2.550 km entfernten Nürnberg kannte die Begebenheit und die Schilderung der Tieres nur aus schriftlichen Berichten; sie dienten als Vorlage für sein Werk.