Ausflug, Handwerk, Kulinarik und Botanik

März 2023

01
Unser Ausflugstipp führt dieses Mal in den äußersten Osten der Algarve, nach Vila Real de Santo António. Hier fällt zunächst das Stadtbild im Zentrum auf: Die schachbrettartig angeordneten Straßen und die regelmäßig gebauten Häuser mit ihren schmiedeeisernen Balkonen erinnern an die Architektur der Lissabonner Unterstadt: Urheber dieser Bauweise war in beiden Fällen der Marquis von Pombal, der nach dem Erdbeben 1755 auch in der Ost-Algarve eine Stadt mit den gleichen klaren Linien wie in der Hauptstadt errichtete, an Ort einer durch das Beben zerstörten Fischer-Gemeinde. Vila Real, die „königliche Stadt“, sollte auch dem Nachbarland nationale Größe zeigen, denn Vila Real ist die Grenzstadt zu Spanien – beide Länder trennt hier der Guadiana-Fluss. Man kann das Nachbarland nicht nur über die Brücke erreichen, sondern auch, wie schon seit alten Zeiten, per Fähre. Die Flussüberquerung bis Ayamonte dauert 15 Minuten und der Blick vom Wasser auf Vila Real und die Umgebung bietet eine neue Perspektive der Algarve. Anlässlich der 250-Jahrfeier der Stadtrechte gibt es dieses Jahr hier besonders zahlreiche kulturelle Veranstaltungen.
02
In diesem Monat steht der Internationale Tag der Frau auf dem Kalender. Dazu erinnern wir an einen unscheinbaren Gegenstand, der jedoch allgegenwärtig ist: Der Zahnstocher. Sein Werdegang wurde in Portugal entscheidend geprägt. Zwar waren bei archäologischen Funden fossiler Zähne Riefen prähistorischer Zahnstocher nachweisbar und in Grabmalen in Asien wurden Stachel aus Gold oder Silber entdeckt, die vermutlich als Zahnstocher benutzt wurden. In der Entwicklung zum Zubehör für jedermann war allerdings Portugal Pionier. Seit dem 19. Jahrhundert stellten nahezu ausschließlich Frauen die Hölzchen, die auf Portugiesisch ‘palito’ heißen, in Handarbeit aus dem Holz von Orangenbäumen her und sicherten die Arbeit für ganze Landstriche. Das Orangenholz ist weich, leicht, feinporig und splittert nicht: Der ideale Rohstoff für Zahnstocher. Noch in den 1950er Jahren arbeiteten rund 9.000 Frauen in diesem Handwerk, das auf dem internationalen Markt Vorbild für die maschinell gefertigte Variante wurde. Allerdings vergaben portugiesische Hersteller die Chance, ihr Produkt abzusichern: Am 24.März 1891 stellte ein Patentamt in den USA die Erfindung unter den Schutz vor unerlaubter Nachahmung.
03
Fisch, Meeresfrüchte und Wein – das sind vermutlich die ersten Dinge, die einem zum Thema Essen aus Portugal einfallen. Doch sollte auch der Käse nicht ignoriert werden. Gerade hat der TasteAtlas, der als „Weltatlas traditioneller Gerichte“ gilt, den Käse ‘Serra da Estrela’ aus der gleichnamigen Gebirgs-Region auf Platz Zwei der einhundert besten Sorten der Welt gewählt. Nur der Parmigiano Reggiano schnitt besser ab als das Milchprodukt aus Zentral-Portugal. Italienischer Käse dominiert die Liste, deutsche Sorten sind nicht vertreten. Der ‘Serra da Estrela’ wird aus Milch zweier heimischer Schaf-Rassen hergestellt, die von Hand gemolken werden. Anschließend wird die Milch erhitzt, gesalzen, mit Distel-Extrakt zum Gerinnen gebracht und dann der Käse geformt. Er hat 15-20 cm Durchmesser, ist etwa 6 cm hoch und reift in feuchter und kalter Umgebung. Dieser Käse ist das älteste und traditionellste Lebensmittel Portugals, hat ein cremiges, halbweiches Inneres, eine gelbliche Farbe und einen reinen, leicht säuerlichen Geschmack. Dazu sollte laut dem Gourmet-Journal Portwein (tawny oder ruby) getrunken werden.
04
Am 21.3. ist der Tag des Baumes. In jedem Jahr werden in Portugal zehn besonders schützenswerte Exemplare ausgesucht, die zur Teilnahme an der Wahl zum Europäischen Baum des Jahres kandidieren. In diesem Jahr nehmen zwei Gewächse aus der Algarve an der Aktion teil, die in erster Linie darauf ausgelegt ist, die Menschen für die Natur und die Bedeutung von Bäumen für ein gesundes Ambiente zu sensibilisieren. Die beiden uralten Olivenbäume (einer, der 250 Jahre alt ist, steht in São Brás de Alportel, der andere, 2.000 Jahre alt, in Lagoa) sind lokale Berühmtheiten, die ihren Ort schmücken und zudem Mensch und Tier Schatten spenden und für die Stabilisierung des natürlichen Wasserhaushalts im Boden sorgen..