Temperaturen, Festivals, Tauchen und Fauna

August 2022

01
Seitdem ganz Europa immer häufiger unter sommerlichen Extrem-Temperaturen ächzt, verlieren althergebrachte Superlative an Bedeutung. Das betrifft auch den kleinen Ort Amarelejo im Alentejo, der seit Menschengedenken als einer der heißesten Orte Europas gilt, was seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auch amtlich bestätigt ist: Temperaturen von 40 Grad Celsius sind dort im Sommer „praktisch normal“, sagen die 2.000 Einwohner der Gemeinde nahe der spanischen Grenze. Wie im Nachbarland in Sevilla und Cazalla wurden auch schon über 45 Grad gemessen, in Amareleja allerdings häufiger – dort liegt der Rekord bei 47,4° C. Temperaturen, die die Meteorologen für die Bezirksstadt Beja angeben, „liegen bei uns immer zwei, drei Grad höher, im Schatten“, heißt es in Amareleja. Der Alltag verläuft dem Klima angepasst: Im Sommer geht die Arbeit oft um 5 Uhr los, vom Mittag bis zum späten Nachmittag wird eine Pause eingelegt. Mancher arbeitet nachts. Das alles sollte Reisende nicht an einem Besuch in der landschaftlich reizvollen Gegend hindern.
02
Die Ferienorte an der Algarve lassen sich einiges einfallen, um nach und neben dem hochsommerlichen Strandvergnügen für einen unvergesslichen Urlaub zu sorgen. Dazu gehören insbesondere zahlreiche Festivals sowie Messen und Märkte mit Musik und Gastronomie. Und die haben in Portugal eine sehr alte Tradition. Sie gehen zurück auf die Regentschaft des Königs D. João I. (1357-1433), den Vater Heinrichs des Seefahrers. Der Monarch sah sein Reich infolge eines Kräfte zehrenden Erbfolgekrieges mit der kastilischen Krone wirtschaftlich und finanziell am Abgrund. Das demoralisierte Volk darbte und murrte. Zerstreuung musste her. Der Monarch hatte die Idee, Gaukler und Händler (auch aus dem Ausland) einzuladen, die Waren und Attraktionen auf Märkten feilboten; dazu gab es vor allem viel Musik und traditionelle Speisen. Seit ihrer Geburtsstunde wurden die organisierten Feste einerseits perfektioniert, andererseits halten sie Traditionen aufrecht. Eine der größten im Land ist die Handwerks-, Kunst-, Industrie- und Gastronomie-Messe Fatacil, die Lagoa jedes Jahr Ende August für zehn Tage zum Mittelpunkt der Region werden lässt.
03
Das kristallklare Wasser der Algarve-Küste ist nicht nur bei Badegästen beliebt, sondern auch bei denen, die den Dingen gerne auf den Grund gehen: Tauch-Urlaub ist hier besonders vielseitig. Vor der Küste von Alvor wurden vor einigen Jahren zwei ausgemusterte Schiff versenkt, die nun ein künstliches Riff bilden und zum Tummelplatz für Fische und andere Meeres-Lebewesen geworden sind. Dort werden Tauchgänge angeboten. Gleichzeitig ist der Meeresboden im Mündungstrichter des Arade-Flusses eine Fundgrube für historische Schätze. Der Fluss gilt als eines der wichtigsten Gebiete für Unterwasser-Archäologie in Portugal, denn bereits vor 2.000 Jahren war der Hafen der Stadt ein ökonomisch bedeutsamer Ort für den gesamten Mittelmeerraum. Entsprechend reich ist das Kulturerbe des Flusses. Das städtische Museum in Portimão zeigt zahlreiche Fundstücke, die Taucher aus dem Küstenwasser geborgen haben. Im Untergeschoss befindet sich ferner ein Gang, der Besuchern ermöglicht, einen Blick in das Leben unter Wasser zu werfen.
04
Im Naturpark Ria Formosa zwischen Olhão und Faro gewinnt ein Projekt zum Schutz der in der Algarve wild lebenden Chamäleons an Gestalt. Der in Olhão ansässige Verein ‘Vita Nativa’ möchte gemeinsam mit dem Institut für Umweltschutz ICNF dem drastischen Rückgang des Chamäleon-Bestandes in der Region entgegenwirken. Vor allem soll das Umwelt-Bewusstsein gestärkt werden, um die Lebensräume der scheuen Reptilien zu bewahren. Ein biologisches Interpretations-Zentrum organisiert Ausstellungen und unterstützt wissenschaftliche Studien. Dabei sind auch die Bevölkerung und die Gäste der Region aufgerufen, Sichtungen von Chamäleons zu melden, denn so können auch neue, bisher unbekannte Lebensräume der Tiere registriert werden. Chamäleons leben vor allen Dingen in den Dünen, doch zuletzt wurden im Hinterland in der Gegend zwischen São Brás de Alportel und Silves auch Tiere entdeckt, ebenso nahe Sagres. Wer ein Chamäleon entdeckt, sollte dieses selten gewordene Natur-Szenario still und unauffällig beobachten, ohne die Tiere zu stören.