Hinterland, Ostern, Wein und Wildtiere

April 2022

01
Wer Portugal kennenlernen möchte, muss die Dörfer im Hinterland besuchen. Der Verband ‘Aldeias de Portugal’ listet Ortschaften auf, die den Charakter des Landes am besten bewahrt haben; nun wurde das Dorf Cachopo nahe der Algarve-Stadt Tavira in den Kreis der Auserwählten aufgenommen. Die rund 1.000 Einwohner des Dorfes wohnen in volkstümlicher Architektur und leben bis heute von wirtschaftlichen Tätigkeiten, die einst für den gesamten Süden Portugal typisch waren: Weberei und Korbflechterei, Holzhandwerk, Strick-, Web- und Stick-Handarbeiten, die Produktion von Honig, Wolle und Käse sowie die Herstellung und Verarbeitung von Kork. Die Kirche des Ortes stammt aus dem Jahr 1535 und gehört zu den ältesten Gebäuden in der Algarve. Inmitten der Berge der ‘Serra do Caldeirão’ gelegen, verspricht ein Ausflug dorthin außerdem fantastisch Panoramen des Hinterlands und einen Blick auf die sogenannten ‘Casas circulares’, Steinbauten mit Strohdächern prähistorischen Ursprungs, die heute den Bauern zur Geräte- und Viehfutter-Unterbringung dienen. Es gibt Windmühlen, die Quelle ‘Fonte Férrea’, die seit Urzeiten wegen ihres Heilwassers aufgesucht wurde, und sehr viel betörende Natur.
02
In diesem Monat ist Ostern, und zu diesem Fest gehört ein historisches Gebäck, das in den Wochen vor und nach Ostern bei jedem Bäcker zu haben ist: Der ‘Folar’, der früher als Ostergabe zwischen Patenkindern und ihren Paten galt. Das traditionelle Rezept schreibt vor, der Osterkuchen müsse „wie Brot geknetet werden, dazu kommen Schweineschmalz, Milch, Zucker und geriebene Zitronenschale, Branntwein und viele aromatische Kräuter”. Vor dem Backen wird ein rohes Ei in die Teigmitte gelegt und mit über Kreuz gelegten Teigstreifen bedeckt. Es gibt kleine regionale Abweichungen bei diesem Oster-Gebäck: In der West-Algarve wird der kugelförmig angerichtete Teig mit Kruste gebacken, er ist leicht gesüßt und kräftig mit Fenchel gewürzt. In der Ost-Algarve ist der Folar ein Schichtkuchen aus zahlreichen Lagen. Karamellisierter Zucker und vor allem Zimt bestimmen hier den Geschmack. Greifen Sie zu, wenn Sie einen Folar entdecken, zum Tee oder Kaffee ist er eine lukullische Bereicherung.
03
Lagoa, die Stadt, in deren Gemeinde Ferragudo sich Ihr Feriendomizil befindet, hat gemeinsam mit den Algarve-Städten Albufeira, Lagos und Silves gute Aussichten auf den Titel „Europäische Weinstadt 2023“, den das Europäische Netzwerk der Weinstädte (RECEVIN) vergibt. Unter dem Titel ‘Algarve Golden Terroir’ wollen die Städte die gesamte Region mit ihrer Rebenvielfalt vorstellen. Die in der Vergangenheit aufgrund der Böden und des Klimas für Weinbau bekannte Region, die nach der Vernachlässigung des Wirtschaftszweiges inzwischen seit rund zwei Jahrzehnten den Anbau und die Kreation edler Tropfen wieder erfolgreich erneuert und preisgekrönte Winzer hervorgebracht hat, will sich verstärkt dem Önotourismus zuwenden, sodass die außergewöhnliche Arbeit der Winzer auch zum Anziehungspunkt für Wellness und Entspannung werden kann.
04
Luchse auf einer Wanderung in freier Wildbahn anzutreffen ist ein eher seltenes Ereignis, aber ihre Zahl steigt, denn ein Zucht- und Auswilderungsprogramm in der Algarve trägt seit sieben Jahren sehr erfolgreich zur Vermehrung der noch immer bedrohten Art der Iberischen Luchse (auch Pardelluchs genannt) bei. Im vergangenen Jahr brachten 24 ausgewilderte Luchs-Weibchen insgesamt 70 Jungtiere zur Welt brachten – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Wobei die tatsächliche Zahl höher sein könnte, denn der zuletzt rund 200 Luchse zählende Bestand verteilt sich inzwischen auf eine sehr große Fläche zwischen Tavira in der Algarve und Serpa im Alentejo.