Blüten, Naschwerk, Kultur und Energie

Dezember 2021

01
Wenn das übrige Europa sich dem meist grauen, kalten Dezember ergibt, locken in der Algarve auch jetzt sonnige Tage und blühendes Grün. Eine Pflanze, die die Besucher das ganze Jahr über fasziniert, ist die Bougainvillea, die vielerorts die Mauern ziert. Wenn die Pflanze genug Licht hat, entwickelt sie mehrere Blütephasen, sodass hier manchmal auch im Winter ihr tiefrot-purpurfarbenes Leuchten zu finden ist. Die Pflanze ist ein Relikt der Seefahrergeschichte: Der französische Admiral Louis de Bougainvillea brachte die Bougainvillea 1769 von seiner Weltumsegelung aus Brasilien mit; entdeckt haben soll sie die Botanikerin Jeanne Baret, die Teil der Expedition war. Der Dichter Carlos Drummond de Andrade schrieb: „Ihre Wurzeln verschmelzen mit dem Fundament, und unser Haus hat praktisch zwei Dächer: das normale und dieses rote Blatt. Wenn die Bougainvillea in voller Blüte stehen, können Sie sich nicht vorstellen, wie sich unser bescheidenes Mauerwerk in etwas Spektakuläres verwandelt und die Bodenfliesen mit Blüten übersät.“
02
Äpfel, Nuss und Mandelkern – Zutaten des Weihnachtsgebäcks erzählen vom Leben, von Geschichte und Kultur. In Portugal spielen vor allem Honig und Gewürze eine wichtige Rolle. Honig war in Portugal noch bis ins 20. Jahrhundert der Süßstoff der armen Leute. Bienenhaltung garantierte den Blütennektar auch für Haushalte, die sich keinen teuren Zucker leisten konnten. Gewürze, die als Schätze des Orients seit der Zeit portugiesischer Entdeckungsfahrten nach Europa gelangten, standen für erworbenen Wohlstand. Äpfel, Kastanien und Mandeln wiederum wuchsen überall, waren jedermann zugänglich und symbolisierten mit ihrem Fruchtstand die zunächst festverschlossene Zukunft, die sich allmählich (er-)öffnet. Auch Marzipan ist ein wichtiger Grundstoff der Zuckerbäcker. In der Algarve gehören kleine, filigran gearbeiteten Marzipanküchlein, die ‘doces regionais' ganzjährig zur Speisekultur.
03
Die Algarve-Haupstadt Faro möchte Europäische Kulturhauptstadt 2027 werden. Die Bewerbung wurde soeben eingereicht – in einem Verfahren, an dem sich zwölf weitere portugiesische Städte beteiligen. Eine Vorauswahl steht im Frühjahr an, die Entscheidung über den Sieger, der sich den Titel mit einer Stadt in Lettland teilen wird, fällt Anfang 2023. Auswahl-Kriterien sind vor allem Umfang und Qualität der Aktivitäten zur Förderung der kulturellen Vielfalt, des interkulturellen Dialogs und des besseren gegenseitigen Verstehens der Bürger Europas und so profitiert die gesamte Algarve schon ab jetzt von der Kandidatur: Alle Museen, Ausstellungs-Räume, Orchester, Bühnen und andere Kulturzentren nicht nur in Faro selbst versprechen ganzjährig abwechslungsreiche Kulturprogramme, die die Attraktivität der Algarve auch abseits von Sonne, Strand um Meer stärken. Portugal stellte bereits drei Mal die Europäische Kulturhauptstadt mit Lissabon im Jahr 1994, Porto 2001 und Guimarães 2012.
04
Während die Welt über grüne und klimafreundliche Energie diskutiert, hat Portugal soeben das letzte Kohlekraftwerk geschlossen. Bereits zu Beginn des Jahres war die Kohleverstromung in der Alentejo-Stadt Sines beendet worden. Die Schließungen übertreffen die Ziele der portugiesischen Umweltpolitik, die den Verzicht auf die Kohlekraftwerke erst für 2023 vorgesehen hatten. Die auf dem Energiemarkt des Landes tätigen Versorgungs-Unternehmen haben in den vergangenen Dekaden den Ausbau erneuerbarer Energienutzung gezielt vorangetrieben. Die steigende Co2-Bepreisung mache diesen Schritt nun auch rentabel. Gleichzeitig gab die Europäische Investitionsbank Daten einer Klimaumfrage bekannt, derzufolge 83 Prozent der Menschen die Nutzung erneuerbarer Energien bevorzugt. Ferner macht sich über drei Viertel der portugiesischen Bevölkerung Sorgen über die Auswirkungen des Klimawandels und würde eine höhere Besteuerung von umweltschädigenden Waren und Dienstleistungen begrüßen.