Natur, Delikatesse und Sprache

April 2021

01
Der 25. April ist in Portugal ein staatlicher Feiertag, an dem der Nelkenrevolution von 1974 gedacht wird. Doch der Tag hat noch eine andere Funktion: Es ist der internationale Tag des Baumes. Dazu gibt es Rekordverdächtiges in der Algarve: Der Olivenbaum im Touristendorf Pedras D'El Rei in der Gemeinde Santa Luzia bei Tavira stammt aus der Zeit der römischen Besiedelung; er ist über 2.000 Jahre alt und damit einer der ältesten Bäume im Land. Er ist neun Meter hoch und seine Krone hat einen Durchmesser von knapp zehn Metern. Bei einem Umfang von 7,8 Metern braucht es fünf Personen, um den Olivenbaum zu umarmen. Seit gut 30 Jahren befindet er sich mit 408 anderen Bäumen (darunter 42 Korkeichen) auf einer Liste von Exemplaren, die unter besonderem Schutz stehen und daher als von öffentlichem Interesse eingestuft sind. In der Algarve gibt es vielerorts spektakuläre Bäume. So steht zum Beispiel in Moncarapacho bei Olhão ein 600 Jahre alter Johannisbrotbaum mit Hohlräumen im Stamm, die wie kleine Häuser oder Höhlen aussehen. Und bei einem Spaziergang durch die Wälder der Serra de Monchique lohnt der Blick nach ober zu den bizarren Verästelungen. Der bekannteste, weil älteste Baum Portugals ist ebenfalls ein Olivenbaum, der nahe der zentralportugiesischen Stadt Abrantes steht und sagenhafte 3.350 Jahre alt ist.
02
Portugiesischen Wein trinkt man zwar am besten in Portugal, aber wer im Ausland nach landestypischen Tropfen sucht, stößt in jeder Weinhandlung auf Portwein und kommt dabei um den Namen Niepoort nicht herum. Das Familien-Unternehmen produziert den edlen Tropfen seit 1842 nahe der nordportugiesischen Stadt Vila Nova de Gaia. Dirk Niepoort, in fünfter Generation Nachfahre der Gründer, die aus den Niederlanden nach Portugal gekommen waren, hat inzwischen seine Leidenschaft für ein weiteres Getränk entdeckt: Grünen und schwarzen Tee. Terroir ist auch für ein gutes Aufgussgetränk wichtig, und so hat sich Winzer Niepoort an die Züchtung edler Teesorten gewagt. In biologischem Anbau wachsen auf einem Hektar Land rund 14.000 Pflanzen, die bis zur ersten Ernte fünf Jahre warten müssen. Blätter und Blüten sind aromatisch und werden im Frühjahr komplett von Hand gelesen und verarbeitet. Der Anbau ist von der japanischen Teekultur inspiriert; Niepoort hat die einzige Produktionsstätte für Kamelientee in Europa. Doch auch die Winzer-Tradition beeinflusst den Tee: Einige Sorten reifen in Weinfässern. Den Tee gibt es in ausgesuchten Cafés und Restaurants, zum Mitnehmen und zu Hause Aufbrühen findet man ihn in der Algarve in der ‘Mercearia Bio’ in Portimão, in der Nähe der Uferpromenade.
03
Auch Portugal wählt das Wort des Jahres und stimmt dazu über Begriffe ab, die im vorangegangenen Jahr besonders häufig benutzt wurden oder Besonderheiten des Jahres beschreiben. Erstaunlich ist, dass dieses Mal kein in allen Sprachen ähnlich klingendes Wort oder Wörter aus den Tages-Nachrichten das Rennen machten, sondern eine Vokabel, das für die portugiesische Lebensart schlechthin steht: „Saudade“ – und es gilt als nicht übersetzbar, zumindest nicht in der Weise, dass der gesamte Gehalt des Wortes erfasst wird. Gefühle wie Sehnsucht, Nostalgie, Fernweh, Traurigkeit, Melancholie oder Wehmut werden in ‘saudade‘ zusammengefasst. Entsprechend häufig kommt das Wort in der Alltagssprache, in der Poesie und in der Musik vor. Wenn Sie Werke portugiesischer Autoren, auch in deutscher Übersetzung, lesen oder besser noch: bei ihrem Aufenthalt in der Algarve einen Fado-Abend besuchen, dann können Sie das Gefühl der ‘saudade‘ intensiv erleben.
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