Meeresfrucht, Natur, Gedenktag und Fund

März 2021

01
Wer gerne Austern isst, denkt an Frankreich, von wo rund acht von zehn dieser Muscheln kommen, die in Europa verzehrt werden. Doch Kenner bevorzugen inzwischen Austern aus der Algarve, die nahe Fuseta in den flachen Tidengewässern sowie auf der Insel Culatra vor Olhão gezüchtet werden. Die Qualität dieser Austern ist so gut, dass sie sogar nach Frankreich exportiert werden. Dort reifen sie an der bretonischen Küste nach, bis sie (als französische Auster) auf den Markt kommen. Die Austernzucht ist in der Algarve noch jung: Nach der Finanzkrise 2008 wollten französische Investoren den Fischern die Pachtlizenzen abkaufen. Die Inselbewohner erkannten das Potenzial ihrer Küste und statt zu verkaufen, bildeten sie sich in der Austernzucht fort, beantragten Fördergelder und eroberten selbst den Markt, dessen Produktion auf Culatra rund 90 Familien ernährt. Zudem entwickelten die Menschen Konzepte zur nachhaltigen Bewirtschaftung und Energieeffizienz sowie zur ökologisch verträglichen Abfall-Entsorgung. Nun hat die EU-Kommission die Initiative im Rahmen ihrer “Smart Stories EU” als Beispiel für intelligenten wirtschaftlichen Wandel vorgestellt. Beim nächsten Restaurantbesuch in der Algarve sollten Sie also unbedingt nach heimischen Austern fragen.
02
Auch wenn wir wieder reisen können, werden die ersten Unternehmungen wohl zunächst in geografische Räume führen, die ungetrübte Erlebnisse und Erholung auch mit Abstands- und Hygiene-Regeln garantieren. In der Algarve bietet sich zum Beispiel ein Ausflug in den Naturschutzpark ‘Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina’ an der Westküste an. Wanderer und Spaziergänger entdecken nicht nur menschenleere Hochplateaus mit Panorama-Blick über die Küste, sondern auch eine besonders reizvolle Botanik. Vom Algarve-Küstendorf Burgau bis zum kleinen Seebad São Torpes im Alentejo (das sind rund 110 km) blühen rund 200 Pflanzen-Arten, viele von ihnen sind endemisch. In dieser Landschaft ist es wunderbar still, nur die Vögel zwitschern – auch von ihnen sind hier an die 200 Arten vertreten, die zum Teil in den Klippen nisten. Um dieses Naturparadies nicht zu gefährden, werden Besucher gebeten, die Wege nicht zu verlassen.
03
Am 8.3. steht der internationale Tag der Frau auf dem Kalender. Dabei wird in Portugal den Frauen gedacht, die in der Landesgeschichte eine wichtige Rolle spielten. Wie Maria Carolina Frederico Crispim, die vor genau 150 Jahren in der Algarve-Hauptstadt Faro geboren wurde. Nachdem ihr Vater früh verstorben war, gab Maria Crispim Privatunterricht, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Hauptberuflich unterrichtete sie an einer privaten Schule in Serpa im Alentejo. Neben dem Kampf für die Gleichberechtigung der Frau lag ihr das Schicksal von Waisen und vernachlässigten Kindern am Herzen. Sie setzte such für kostenlose Schulen ein. Die Beschäftigung mit Kindern motivierte sie zu Kindergeschichten, die sie 1904 unter dem Pseudonym Maria Veleda als Buch herausgab. Ihre Leidenschaft galt dem Schreiben, doch zogen die Ereignisse jener Zeit sie in die Politik. Die Verbindung beider Dinge brachten ihr 1909 eine Anklage wegen „Missbrauchs der Pressefreiheit“ ein: In einem Artikel hatte sie politische Stellungnahmen der Königin zu sozialen Fragen gefordert. 1921 zog Maria Crispim sich aus der Politik zurück; sie starb 1955.
04
Als Land der Seefahrer und Weltentdecker hatte Portugal schon in historischen Zeiten ausgedehnte Kontakte zu anderen Nationen, deren Vertreter per Schiff hierher reisten oder auf einen Zwischenstopp zu fernen Zielen in Portugal Proviant aufnahmen. Raue See und die schroffe Küste wurden manchem stolzen Segler zum Verhängnis und so befinden sich auf dem Meeresgrund vor der Küste des Landes zahlreiche alte Wracks. Starke Regenfälle in diesem Winter haben jetzt an der Alentejo-Küste vor Melides die Überreste eines solchen freigelegt. Es handelt sich vermutlich um das Handelsschiff ‘Schoonhoven’ der Niederländischen Ostindien-Kompanie, das nach historischen Aufzeichnungen am 22. Januar 1626 auf seiner an der Insel Texel begonnenen Asienfahrt vor dem Strand von Melides gesunken ist. Die ‘Schoonhoven’ wurde im Wintersturm wohl an die Küste geschleudert oder suchte vergeblich Schutz vor den Wellen. Alte Dokumente beinhalten Berichte, dass in den Tagen nach dem Schiffbruch am Strand Weinfässer und Kisten mit Lebensmitteln angespült wurden. Seit 2014 gibt es ein Projekt zur Auffindung des Schiffs, nun hat die Natur nachgeholfen. Historische Schiffstragödien sind in einigen Museen der Region dokumentiert und bis heute sind Kapellen erhalten, in denen Seeleute um Schutz baten, bevor sie an Bord gingen. Zu ihnen gehört auch eine kleine Kapelle, die sich im alten Fischerort Alvor befindet, mitten im Dorf versteckt zwischen Läden und Gaststätten.