Natur, Wein, Ausflug und Historie

Oktober 2020

01
Menschen, die ein Land bereisen wollen, orientieren sich immer häufiger an Empfehlungen, die über rein touristische Gesichtspunkte hinausgehen. Eine gesunde und intakte Umwelt ist ein wichtiger Faktor, und laut dem Londoner Finanz-Analysten Nimblefins gehört Portugal zu den grünsten Ländern Europas. Ausgewertet wurden Daten nationaler und EU-Statistik- und Gesundheits-Behörden. In den Kategorien geringes Müllaufkommen, Energie-Management, Schadstoff-Emissionen und Luftqualität sowie Wasser und Wälder befindet sich das Land auf Rang vier einer Liste, die von Schweden angeführt wird. Portugal bezieht rund ein Drittel der genutzten Energie aus erneuerbaren Quellen, was über dem europäischen Mittelwert liegt. Auch im Hinblick auf die Luftreinheit schnitt das Land überdurchschnittlich gut ab. Und hier in der Algarve laden nicht nur die Wälder im Hinterland zu einem Spaziergang ein, sondern auch die Strände, die selbst bei Wasser-Temperaturen, die nicht mehr badetauglich sind, ein empfehlenswerter Ort für einen Bummel.
02
In unserem letzten Newsletter berichteten wir von der Historie deutscher Winzer in den Portwein-Kellereien im Norden des Landes. Doch auch Ihr Feriendomizil Ferragudo befindet sich in einem Weinbau-Gebiet, das schon sehr alt ist, Jahrzehntelang vernachlässigt wurde und inzwischen wiederbelebt ist und hervorragende Tropfen vorweisen kann: Der internationale Weinwettbewerb ‘Concours Mondial de Bruxelles’ hat soeben neun Weine aus der Algarve ausgezeichnet. Vier erhielten eine Goldmedaille (der Rotwein ‘Edd's Reserva Tinto 2017’ aus Lagoa, die drei anderen Gold-Weine werden in Silves angebaut und gekeltert), fünf Algarve-Weine bekamen Silber.
03
Lust auf einen außergewöhnlichen Ausflug? Die Höhlen in den Kalksteinhügeln des ‘Cerro da Cabeça’ bei Moncarapacho sind nicht nur Gegenstand von Forschung, die zum Landschafts-Schutz beiträgt, sondern auch Teil des nachhaltigen Freizeit-Angebots der Algarve. Im bergigen Hinterland gibt es zahlreiche unterirdische Höhlen, die allerdings entweder nur geübten Höhlenkletterern zugänglich sind oder auch gänzlich unbegehbar. Viele Grotten sind selbst unter Fachleuten unbekannt. Das Zentrum für Höhlenforschung und Archäologie der Algarve (CEEEAA) hat inzwischen ‘Algar Medusa’, ‘Algar Maxila’ und ‘Algar João’ (zwischen 60 und 80 Meter tief) sowie an die neunzig weitere Höhlen systematisch erfasst – dazu gehören auch ihre Flora und Fauna. Das CEEEAA macht das unterirdische Leben in geführten Höhlen-Wanderungen auf nachhaltige Weise zugänglich, um einerseits das sensible Biotop vor unbefugtem Zutritt zu schützen und andererseits Stalagmiten, Stalaktiten, Fossilien und Lebewesen der Öffentlichkeit erlebbar zu machen.
04
Der letzte Tag im Oktober ist in vielen Teilen Deutschlands als Reformationstag ein Feiertag. Diese Historie hat auch in Portugal Spuren hinterlassen: Damião de Góis (1502 - 1574) war ein Weggefährte Martin Luthers, den er 1531 in Wittenberg kennengelernt hatte. Góis’ Vater war ein portugiesischer Adeliger, seine Mutter stammte aus einer flandrischen Kaufmannsfamilie, die sich in Portugal niedergelassen hatte. Als Kind war Góis Page am Königshof, wo er Seeleute, Kartografen, Theologen, Dichter, Maler, Mathematiker und Astronomen begegnete, die das Zeitalter der Entdeckungs-Fahrten prägten, sodass der Junge den Geist der Zeit mit seiner Erziehung aufnahm. Sein Wunsch, Seefahrer zu werden, erfüllte sich nicht, doch leitete er später das Handelskontor des portugiesischen Königs in Antwerpen, einem wichtigen Umschlagplatz für Gold, Silber und Gewürze aus Übersee. Góis begann, Latein und Italienisch zu studieren; sein Privatlehrer hatte wegen Ketzerei im Gefängnis gesessen. So erfuhr Góis auch von dieser Seite des Lebens. Er bereiste halb Europa, als Vertreter des Handelskontors standen ihm alle Türen offen, er traf Gelehrte, die er seinerseits mit Wissen über Kolonien und Kontinente beeindruckte. Bald erscheinen Gois’ Schriften auch auf Deutsch. In Portugal wurde er zum Verteidiger der Lehren Martin Luthers. Sein Porträt malte Albrecht Dürer.