Geschichte, Tradition, Natur und Kooperation

Januar 2020

01
Der Jahresbeginn bedeutet für Ferragudo den Auftakt zur Feier seiner Geschichte: Der Ort wird 500 Jahre alt. Funde belegen die Besiedelung seit vorgeschichtlicher Zeit, und ab dem 14. Jahrhundert exitieren Aufzeichnungen, denen zufolge sich Fischer mit ihren Familien ansiedelten. Im Jahr 1520 erkannte Königin D. Leonor das Potenzial des Ortes und wollte den Bewohnern die Sicherheit garantieren, die die Entwicklung des Ortes sicherten und weitere Siedler anziehen sollte. Es galt beispielsweise, die Piraten zu bekämpfen, die sich in den Höhlen der Küste versteckten. Auch der Beistand der Kirche war gefragt. Man geht heute davon aus, dass der Bischof der Algarve vom Kastell am Strand von Ferragudo aus, in dem er damals residierte, eine Schutzmauer rund um den Ort ziehen ließ. Die Mauer fiel dem Zahn der Zeit zum Opfer; das Kastell wurde vielfach restauriert und ist seit vielen Jahren in Privatbesitz.
02
Zum Januar-Brauchtum in der Algarve gehören die ‘Janeiras’, die (entfernt an Sternsinger erinnernd), nicht nur am Dreikönigstag singend durch die Straßen vieler Gemeinden ziehen, dabei auch von Tür zu Tür gehen und den Bewohnern ein gutes Jahr wünschen. ‘Janeiras’ finden sich oft in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis zusammen, umfassen alle Altersgruppen und werden gelegentlich von Musikern auf Tamburin, Trommel, Flöte, Gitarre oder folkloristischen Instrumenten begleitet. Die Lieder bestehen aus einfachen Versen, in denen Lob, aber auch Spott oder Kritik versteckt sein kann und die auf eine Spende abzielen, und zwar auf die „Reste der Weihnachtsfeier“. Traditionell bedeutete das: haltbare lokale Lebensmittel wie Kastanien, Walnüsse, Äpfel oder Wurstwaren. Heute werden die Reste vom Fest oft in Geld ausgezahlt. Am Ende wird der Ertrag geteilt oder häufiger gespendet.
03
Die Lagune 'Alagoas Brancas' am südlichen Ortsrand von Lagoa ist inzwischen zum Geheimtipp für Naturbeobachter geworden und soll im Rahmen der Ramsar-Konvention über Wasser-und Watvögel als Naturschutzgebiet anerkannt werden. Nach vielen Monaten der Trockenheit haben andauernde, starke Regenfälle im Dezember dafür gesorgt, dass die Lagune sich wieder gefüllt hat und zahlreiche Wasservögel dorthin zurückkehrten und nisten. Der in Carvoeiro lebende deutsche Biologe und Ornithologe Manfred Temme hat uns exklusiv Bilder von Sichlern (Ibis) zur Verfügung gestellt, die nun in großer Zahl anzutreffen sind, nachdem sie früher eher vereinzelt auftraten. Das artenreiche Biotop fasziniert Spaziergänger, die auf den fast schon als Lehrpfad durch die Natur zu bezeichnenden Wegen gerne gesehen sind, verbunden mit der Bitte, sich an die Gebote zum Schutz von Pflanzen und Tieren zu halten.
04
Lagoa, die Stadt zu der Ihr Feriendomizil Ferragudo gehört, hat eine Städtepartnerschaft mit der ostholsteinischen Stadt Scharbeutz geschlossen. Treibende Kraft hinter dieser Kooperation waren neben den Politikern beider Kommunen zwei Schulen: Die GGS Pönitz und die ‘Escola Secundária Padre António Martins de Oliveira’ in Lagoa. Beide Institutionen betreiben schon seit Jahren einen regelmäßigen Schüler- und Lehrer-Austausch, initiiert durch den Musiker und Musiklehrer Jan-Taken de Vries, der in Lagoa seine zweite Heimat gefunden hat. Mit der nun geschlossenen Städtepartnerschaft wollen die Gemeinden ihre Bildungsarbeit gemeinsam vertiefen und andere Themenfelder für eine kommunale deutsch-portugiesische Kooperation in Kultur, Sport, Tourismus und Jugendfragen sowie in der kommunalen Verwaltung und der Wirtschaft erschließen. Die neuen Partner betrachten ihre Arbeit auch als Stärkung des europäischen Gedankens und der europäischen Integration.